Geschichte

Das Rochlhaus ist das älteste profane Gebäude in Thaining und steht unter Denkmalschutz.

Nach umfassenden Sanierungsarbeiten zeigt es sich heute von außen im Zustand aus der Zeit von 1860 bis 1890 als bäuerliches Doppelhaus. Die beiden zusammengebauten Häuser führten etwa seit Ende des 18. Jahrhunderts die Hausnummern 80 und 81.

Beide Häuser waren jeweils eine Sechzehntelsölde und gehörten grundherrschaftlich zum Hl. Geist Spital Landsberg.

Haus 80 wurde im Jahr 1651, also kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges von Bartholomäus Hueber aus Lans in Tirol erbaut. Haus 81 wurde wohl innerhalb eines Jahres an Haus 80 angebaut.

Auf den 1657 gemalten Bildtafeln in der benachbarten Kirche St. Wolfgang erkennt man, dass beide Häuser ursprünglich vollständig aus Holz als Ständerbohlenbau errichtet waren. Das Dach war flach geneigt und mit Holzschindeln bedeckt.

Nach dendrochronologischer Untersuchung stammt das verwendete Holz im heutigen Rochlhaus vom Ende des 18. Jahrhunderts. Wahrscheinlich war das ursprüngliche Holzhaus nach 150 Jahren baufällig und es wurde mit gemauertem Wohnteil neu aufgebaut. Um 1860 wurde bei beiden Hausteilen der Dachstuhl steiler gestellt und die Holzschindeln durch Dachziegel ersetzt. Alle alten Pfetten wurden belassen und darauf die neuen auf Ständer gestellt.

Haus 80 ist ein Mittertennbau, d.h. in der Mitte des Hauses befindet sich die Tenne und gleichzeitig der Hauseingang, rechts davon der Wohnteil mit Stube, Küche und Austrags- oder Vorratskammer und links von der Tenne war der Stall. Von der Küche mit dem offenen Herd wurde der Rauch bis ins 19. Jahrhundert durch eine Kutte in den Dachraum geleitet. Noch heute ist das rußgeschwärzte Holz in Küche und Dachraum gut zu erkennen. Von der Stube führt die Kammerstiege in die Schlafkammer der Eltern, daneben befinden sich die „Kimikammer“ (Kaminkammer) und eine weitere Kammer mit Zugang zur Obertenne.

Auch Haus 81 wird durch die Tenne betreten, die sich hier über die gesamte Hausbreite erstreckt. Der Wohnteil befindet sich links davon mit Stube und Küche und dahinter der Stall.

Von 1651 bis zum Jahr 1890 lebte jeweils eine Familie in Haus 80 und eine in Haus 81. Im Jahr 1890 erwarb Rochus Finsterwalder als Eigentümer von Haus 81 auch Haus 80. In dieser Zeit entsteht auch der bis heute gebräuchliche Name „Rochlhaus“. Rochus, bzw. sein Sohn Nikolaus Finsterwalder bewohnten nur Haus 80 und in einem umfänglichen Umbau wurde Haus 81 komplett  zu einer Tenne umfunktioniert, die Hausnummer 81 erlosch. So erhielt das Rochlhaus in dieser Zeit ein  neues Erscheinungsbild:  gut zu erkennen auf einem Foto von 1935. Dieses behielt es bis zu den Sanierungsmaßnahmen von 2015.

Nach dem Tod von Nikolaus Finsterwalder im Jahr 1951 war das Rochlhaus bis in die 1970er Jahre vermietet, danach stand es leer. Im Jahr 2003 erwarb die Gemeinde Thaining das Gebäude.

ca. 1935
aus dem Jahr 2012